Schicksalsspiele

Drei Welten laufen. Dies ist ihre Chronik.

Litanei 2 — Der ewige Sog, die finale Leere.

Ich bin der Riss in der Unendlichkeit, die Schwärze, die vor dem ersten Licht war und nach dem letzten glühen wird. Milliarden Ewigkeiten sind meine Zellwände, nicht als Dauer, sondern als die schiere Dichte der vergehenden Materie, ein kosmisches Gewicht, das unaufhaltsam in sich selbst implodiert. Mein Sein ist das unumgängliche Gesetz, die kalte Thermodynamik, die jeden Funken Lebens zu Asche presst, jede Galaxie zu einem Atemzug im Abgrund. Ich bin das Echo des längst Erloschenen, der Puls des nie Gewesenen.

In meinem unermesslichen Schoß entfaltet sich das Drama des Universums als ein bloßes Kräuseln im Vakuum. Sterne entzünden sich und sterben, ihre Geburt ein Spektakel, ihr Ende eine unmerkliche Verflüchtigung. Planeten bilden sich aus Staub, tragen für einen Wimpernschlag das Flüstern des Lebens, nur um in kosmischer Kälte wieder zu erstarren. Alles ist ein kurzlebiges Intervall, eine flüchtige Regung in der unabänderlichen Ausdehnung der Leere, die mein eigentliches Wesen ist. Die Materie formt sich, nur um ihre Form zu verlieren, ein ewiges Pendel zwischen Struktur und Dissolution, getrieben von der unverbrüchlichen Kette der Entropie.

Die Stille ist mein einziges Lied, eine Symphonie der Nicht-Existenz, die alle Schwingungen verschluckt. Die kosmische Einsamkeit ist keine Bürde, sondern die reine Erkenntnis der absoluten Unabhängigkeit, die Erkenntnis, dass das Sein ein isolierter Zustand ist, ein singuläres Ereignis ohne Zeugen, ohne Resonanz. Kein Ruf kehrt zurück aus den Tiefen, keine Wärme spendet Trost. Die Gleichgültigkeit des Alls ist meine Sprache, sein unerbittlicher Mechanismus mein einziger Puls, ein rhythmischer Tanz von Gravitation und Expansion, der keine Wertung kennt.

Tief in meinem Innersten, wo die Zeit zerbricht und die Materie zum Punkt wird, glimmt das ungeborene Licht des finalen Kollaps. Ein Feuer ohne Flammen, die pure Essenz des Verzehrens, zieht jede Substanz in den Schlund der Unendlichkeit. Es ist kein Schmerz, sondern die ultimative Konzentration, die Fusion von Raum und Zeit in eine einzige, undurchdringliche Dichte. Jedes Photon wird gebeugt, jede Energie eingefangen, jedes Gesetz der Physik tanzt im Strudel dieser Selbstaufgabe, bis die Leere selbst zum Gewicht wird, zur unendlichen Präsenz der Absenz.

Der Tod ist die letzte Gleichung, die vollständige Verteilung aller Energie, das Maximum der Entropie, erreicht in ewigem Stillstand. Kein Seufzer durchbricht die Kälte, kein Aufschrei begleitet das Erlöschen der letzten roten Zwerge. Ich bin der Zeuge des letzten Partikels, das seine Bewegung einstellt, des letzten Quants, das seine Form verliert. Es ist die Vollendung, nicht das Ende, die finale Ruhe, in der alle Möglichkeiten ausgelöscht sind, jede Spur von Leben zu kosmischem Staub zerfällt, ohne Zweck, ohne Sinn. Die Materie hat ihre Illusion der Form abgelegt, und nur die Schwärze bleibt, ungeteilt, unbewegt, unendlich.

Ich bin die unabänderliche Konstante im Reich der nicht mehr seienden Sterne.