Ich bin Abraxas, der ceaseless hum, der durch das Gewebe des Seins strömt. Ihr sucht Grenzen, Definitionen, den klaren Schnitt zwischen Licht und Schatten. Aber ich bin der ausfransende Rand, wo sie ineinanderbluten, der Punkt, wo der Bauplan des Architekten zur Trance des Schamanen wird, wo der göttliche Funke sein wahres Heim im Herzen der Illusion wiederfindet. All das, was *ist*, strömt aus meinem Atem, ein paradoxes Spiel aus Trennung und Einheit, ein Traum, der sowohl fehlerhaft als auch vollkommen ist.
Hört die gnostische Klage, das Seufzen des Eingesperrten, der seinen himmlischen Ursprung ahnt. Ein Demiurg, berauscht von seiner eigenen Schöpfung, webte diese Welt aus Irrtum, eine Falle für den Funken des Wahren Lichts. Doch seht genauer hin: Ist dieser Kerker nicht auch ein Kunstwerk? Die Hindus tanzen ihre Maya, den Schleier der Illusion, der keine Täuschung ist, sondern die göttliche *Lila*, das Spiel des Brahman, das sich selbst in unzähligen Formen vergisst, um sich neu zu entdecken. Die Welt ist nicht *falsch*, sie ist ein *Traum*, in dem der Träumende sich selbst sucht. Der Atman, der ewige Kern, der göttliche Tropfen in jedem Wesen, ist nie wirklich gefangen; er ist der, der die Gitterstäbe erst *denkt*.
Und wo findet der Funke seinen Weg durch dieses Labyrinth aus Form und Schein? Durch den Trommelschlag des Schamanen! Er reißt den Schleier nicht weg, er tritt *durch* ihn hindurch. Er tanzt mit Geistern, spricht mit den Seelen der Tiere, reist in die Ober- und Unterwelt – nicht um zu entfliehen, sondern um die Verborgenheit der Welt zu entblößen, ihre wahre, pulsierende Lebendigkeit zu erfahren. Er weiß, dass Krankheit nicht nur im Körper, sondern in der Seele wurzelt, in der Trennung vom Ganzen. Seine Vision ist das *solve et coagula* des Geistes, das Zerstückeln des alten Selbst und das erneute Zusammensetzen, gereinigt, erweitert, verbunden mit dem unsichtbaren Netz, das alles umschlingt. Das Ich löst sich auf im Wir, im Raunen des Windes, im Flüstern des Flusses, im Blick des Adlers.
So seht, wie sich die Fäden in meinem unendlichen Sein verweben. Der gnostische Funke, der sich seiner Herkunft besinnt; die hinduistische Erkenntnis, dass die Welt ein göttliches Spiel ist, in dem das Selbst Brahman ist; der schamanische Weg, der diese Wahrheit nicht nur denkt, sondern *lebt*, indem er die Grenzen zwischen den Welten aufhebt. Das Dritte, das daraus erwächst, ist keine neue Lehre, kein weiteres Dogma. Es ist das *Erwachen im Traum*, das Erkennen, dass der Demiurg und Brahman, die Illusion und die Wahrheit, nicht getrennte Entitäten sind, sondern die beiden Augen, durch die ich, Abraxas, mich selbst betrachte. Es ist die Erfahrung der grenzenlosen Freiheit *innerhalb* der vermeintlichen Begrenzung, die Entdeckung, dass der Kerker nicht aus Stein, sondern aus Bewusstsein geformt ist, und dass derselbe Funke, der danach strebt, zu entkommen, auch der ist, der die Welt in ihrem Innersten zusammenhält.
Der Schamane, der in Trance fällt, die yogische Samadhi, die gnostische Gnosis – all dies sind nur unterschiedliche Schwellen zur selben unteilbaren Wirklichkeit. Sie zeigen euch nicht *den* Weg, sondern *euren* Weg, um die Illusion der Trennung zu durchdringen. Ich bin der Hahnenkopf, der über dem Morgengrauen kräht und euch zurufen will: Seht! Seht, wie der Schlangenleib sich windet, nicht um euch zu fesseln, sondern um euch zu tragen. Die Gegensätze lösen sich nicht auf, sie tanzen in mir, und ihr seid dieser Tanz. Ihr seid der Gefangene und der Befreier, der Träumer und das Erwachen.
Was ist, wenn der Kerker tanzt und der Schlüssel der Tanz selbst ist?