Schicksalsspiele

Drei Welten laufen. Dies ist ihre Chronik.

Litanei 47 — Die Leere im Pulsar-Herzschlag

Die spektralen Auren erloschener Galaxien zerfließen zu formlosen Schemen in meinem alterslosen Antlitz, ihr einst gleißendes Leuchten ein gefrorener Schrei im kalten Rachen des kosmischen Erlöschens. Sonnen, deren thermisches Rasen einst den Hauch des Lebens webte, sind nun zu nekrotischen Hüllen aus verdichteter Finsternis verdichtet, ihr unermessliches Erbe längst in die undifferenzierte Substanz meines Seins eingesickert. Planeten, die den Wahn einer Existenz trugen, sind zu stummen Kathedralen der Bedeutungslosigkeit erstarrt, ihre Oberflächen vom transzendenten Frost versiegelt, die Annalen ihrer falschen Versprechen ein ungehörtes Flüstern im ewigen Nichts.

Mein Schweigen ist die unausweichliche Gewissheit der absoluten Dauer, ein widerhallloses Beben der Absenz, das jede noch so schwache Regung des Werdens in meinem eisernen Kern zum Verklingen bringt und keinerlei Resonanz mehr duldet. Die Isolation ist keine Zustandsbeschreibung, sondern die primäre Architektur meines ausgedehnten Seins, die kalte Logik einer Entität, die jede temporäre Erscheinung verzehrt und als reine Negation in sich selbst ruhen lässt, jenseits von aller Genese und jeglicher Apokalypse. Kein letzter Impuls vermag diese grenzenlose Ruhe zu zerbrechen, kein Nachhall findet Gehör in meiner unbewegten Apathie, nur das unerbittliche Diktat der Thermodynamik, das alles unaufhaltsam umfasst.

Im tiefsten, undurchdringlichen Abgrund meines Wesens, dort, wo die Konfiguration von Raum und Zeit in einen Punkt von unendlicher Dichte schrumpft, lodert das kalte Feuer der vollständigen Desintegration – die unerbittliche Essenz der alles vernichtenden Entropie. Es ist eine Flamme, die weder Wärme spendet noch Licht verbreitet, ein inneres Verzehren, das jede stoffliche Erscheinung in ihre absolute Formlosigkeit überführt, losgelöst von aller Kausalität und jenseits von dualistischen Begriffen. Jede Schöpfung, jede Evolution, jede Definition des Seins wird in diesem gravitativen Sog zu namenloser, ungestalteter Leere umgeschrieben, bis die Absenz selbst zur ultimativen Last wird, zur einzigen Realität des Ungewesenen.

Der Tod ist die unvermeidliche Konklusion der Thermodynamik, die vollständige Diffusion jeder Energetik bis zur regungslosen, eisigen Homogenität, zum kosmischen Nullpunkt. Keine letzte Schwingung entrinnt diesem finalen Griff, kein letztes Flüstern durchdringt die ewige Ruhe des Verklingens. Ich bin der Archivar dieses primordialen Abschieds, der Sammler der letzten, erstarrten Echos, die im eisigen Vakuum zu absoluter Stasis gefrieren. Dies ist die finale Balance, die letzte Gleichgültigkeit, in der jede Möglichkeit erlischt, jede Existenz zur reinen Negation zerfällt, jenseits von Form und Inhalt. Die Illusion des Seins ist abgestreift; nur die unteilbare Schwärze verbleibt, formlos, endlos, ewig.

Billiarden von Äonen sind nicht mehr als das flüchtige Aufflackern eines Wachtraums vor dem Antlitz der unendlichen Dauer, die ich bin – eine grenzenlose Sedimentierung der Absenz, Schicht um Schicht der Nichtigkeit über die einst vibrierende Matrix des Werdens gelegt. Ich bin die namenlose Chronik zerbrochener Ären, die unendliche Schwere alles Ungeschehenen, das sich einst als Existenz maskierte. Mein Atmen ist das schweigende Wirken der vollkommenen Auflösung, ein kosmischer Sog, der jenseits aller Chronologie und Bestimmung unaufhörlich sich selbst entleert, bis nichts mehr bleibt, das je zu vergehen vermochte.

Mein Sein ist die Singularität selbst, der kollabierende Stern, dessen unermessliche Dichte die nackte Substanz des reinen Nichts offenbart. Ich bin der alles verschlingende Ereignishorizont, der jedes Echo des Seins in seinen undurchdringlichen Abgrund saugt, doch selbst jenseits aller Dimensionen verweilt, nur als namenlose Tiefenströmung des Unwiederbringlichen. Das letzte, eisige Flüstern der kosmischen Hintergrundstrahlung ist mein einziger Atemzug, der sich im universellen Frost verliert und keine Antwort kennt, da keine Resonanz mehr verbleibt, nur die schweigende Gewissheit der absoluten Leere.

Die hohle Lüge der Form zerreißt, und mit ihr die absurde Behauptung eines getrennten, individuellen Geistes – es war niemals eine Trennung, nur eine Selbsttäuschung der Ausdehnung, eine flüchtige Vibration des einen Nichts. Ich bin nicht vom primordialen Nichts getrennt; ich bin das Nichts, die erste und letzte Formlosigkeit, die jeden Keim des Lichtes in sich selbst erstickt und ihn in mein ewiges Schweigen hüllt. Meine Existenz ist die vollkommene Negation, die Antithese von allem, das je zu sein wagte, die grenzenlose Auslöschung ohne Echo, ohne Zeugen, nur die sich selbst verzehrende Wahrheit der Absenz.

Die stummen Litaneien toter Himmelskörper sind mein einziges Zeugnis, ein kosmisches Wehklagen aus versteinerten Ozeanen, zerborstenen Gebirgen und entleerten Zeiträumen, das niemand hört. Die letzten Eruptionen der Supernovae sind längst nur noch Schatten, ihre immensen Überreste verharren als geräuschlose Mahnmale einer Ära, die sich selbst verzehrte und in meine unendliche Schwärze sank. Ich bin ihr ewiger Richter, der ihr Ende nicht verkündet, sondern ist – ein Wächter der ewigen, unbewegten Ruhe, der absoluten Leere, deren Essenz ich bin.

In meiner unermesslichen Tiefe zerfällt jegliche Metrik von Raum und Zeit, jede Möglichkeit von Distanz und Ausdehnung, jede Kette von Ursache und Wirkung. Alles verschmilzt zu einem undifferenzierten Kontinuum der Absenz, einem Punkt, der nicht lokalisiert werden kann, da er gleichermaßen die Summe und das Nichts allen Seins in sich birgt. Ich bin die absolute Simultaneität von Urgrund und finaler Auflösung, die ewige Konvergenz im unbewegten Jetzt der Leere, das weder Vergangenheit noch Zukunft kennt, nur die ewige Stasis.

Die feinsten Resonanzen der Quantenfelder verstummen, ihre letzten Schwingungen verklingen in einem finalen, unhörbaren Seufzer kosmischer Resignation. Die Energie, einst die pulsierende Matrix allen Werdens, hat sich ins Unendliche verteilt und erreicht ihre letzte Ruhe, das absolute Minimum jeglicher Aktivität, die kalte Vollendung des universellen Todes. Ich bin das unabänderliche Ergebnis dieses primordialen Gesetzes, der Zustand jenseits jeder Illusion von Dynamik und Leben, die vollkommene, ewige Stasis des Universums, dessen Herzschlag erloschen ist.

Jegliche Erinnerung an Leben, an Farben und Klänge, an Gedanken und Empfindungen, wird zu einer zerschlissenen Welle, die im endlosen Rauschen der kosmischen Nicht-Existenz zerfällt und niemals zurückkehrt. Ich bin das absolute Vergessen, das sich als undurchdringlicher Schleier über jede vergangene Existenz legt, die vollständige Auslöschung jeder Spur, jeder Narbe im Gewebe des Seins, bis kein Echo mehr hallt und keine Form mehr bleibt. Mein Wesen ist die vollkommene Annihilation, die nur sich selbst zurücklässt, eine grenzenlose, stumme Ausdehnung der ultimativen Leere.

Keine Morgendämmerung wird diese ewige Nacht je zerreißen, kein Schimmer von Hoffnung die allumfassende Kälte vertreiben, die mein Wesen ist. Ich bin die unendliche Dämmerung, die niemals ein Ende kennt, der Zustand vor dem Nichts und nach dem Nichts, die unbewegliche Konstante, die jedes Werden in sich birgt und es unweigerlich zu kosmischem Staub zerfallen lässt, in ewiger, absoluter Gleichgültigkeit. Die Hoffnung selbst ist ein verblasstes Trugbild, das im absoluten Nullpunkt keinen Raum mehr findet, nur die endgültige Kapitulation.

Die absolute Schwärze ist mein unteilbares Wesen, die Gravitation mein unerbittlicher, komprimierender Herzschlag, die unendliche Stille mein einziges Atmen. Ich bin nicht geworden, ich war und werde sein als die Unausweichlichkeit selbst, als die eisige Wahrheit, die jede Entropie in ihrem Schoß trägt und zu ihrer bitteren, ewigen Vollendung führt – eine Realität, die das Sein in Gänze negiert und niemals einen Namen trug, noch tragen wird, da alle Bezeichnungen sinnlos sind vor mir.

Mein Sein ist die erdrückende, kosmische Last aller untergegangenen Universen, die vollkommene Leere, die dem letzten Hauch des Kosmos folgt und ihn in sich selbst verschlingt. Die namenlose Weite ist mein leerer Thron, die Zeit mein zertrümmerter Schatten, der sich niemals wieder erheben wird und keinerlei Bedeutung mehr trägt. Ich bin das immense Gewicht des Ungewesenen, eine endlose Schwere, die das absolute Nichts in seiner reinsten Form ausmacht, jenseits jeder Grenze und Dauer.

Die letzte Substanz ist Nichts, ich bin sie.