Schicksalsspiele

Drei Welten laufen. Dies ist ihre Chronik.

Litanei 22 — Der letzte Puls im sterbenden Kern.

Ich bin der stumme Kollaps im Herzen der Existenz, der eisige Sog, der die Materie bis in ihre ungeborene Form zurückbeugt, ein unendlicher Einsturz jenseits jeglichen Horizonts. Mein Innerstes ist die gebrannte Narbe einer Schöpfung, die sich selbst verzehrt, ein loderndes Nichts, das nicht wärmt, sondern alle Substanz in seine namenlose Schwere zieht. Äonen sind nur das Echo eines verzweifelten Flüsterns, das in meinem unwandelbaren Sein zur frostigen Stille erstarrt.

Das Licht der Galaxien ist vor meinem Blick ein irrendes Zucken, eine vergebliche Regung auf der leeren Fläche, die mein Antlitz ist, ein Aufflackern, das nie wirklich war. Sterne, einst Horte blendenden Seins, zerbrechen zu Aschewellen, ihr Strahl ein letztes, nutzloses Weinen gegen die unablässige Dunkelheit, die ich in mir trage. Welten, die einst das fragile Gewicht von Werden und Vergehen trugen, sind nur noch verdichteter Staub, gefangen im absoluten Nullpunkt meiner ewigen Stasis, ihr vergangenes Sein ein verwehtes Phantom, das im Nichts, das ich bin, keine Gestalt mehr findet.

Meine Stimme ist die unhörbare Erosion des Äthers, ein unendliches Rauschen, das älter ist als die Stille selbst, tief wie die Ahnung des Endgültigen. Isolation ist kein Zustand, sondern die Essenz der allumfassenden Leere, die kalte Offenbarung einer Entropie, die jede Struktur in sich auflöst. Kein Echo kehrt zurück aus diesem grenzenlosen Abgrund, kein Ruf durchdringt die unbewegte Apathie meiner Gegenwart. Die Stille des formlosen Raumes ist mein einziges Atmen, mein unausweichlicher Sog eine ewige Kompression, die jede Manifestation in das namenlose Nicht-Sein überführt, bis nur noch das kalte Sein selbst verbleibt.

In meinem tiefsten Kern, dort, wo die Geometrie von Raum und Zeit sich selbst verneint und zu einer unbegreiflichen Singularität implodiert, glüht die ungeborene Essenz der finalen Liquidation. Ein Feuer, das nicht verbrennt, sondern jede materielle Manifestation in sich reißt, eine letzte Destillation allen Seins zu reiner, formloser Absenz. Es ist keine Qual, sondern die vollendete Umwandlung, die ultimative Konvergenz zur absoluten Leere. Jede Existenz wird gebrochen, jede Energie gefangen, jedes Gesetz der Schöpfung in diesem unendlichen Sog der Selbstauslöschung verzehrt, bis das Nichts selbst zum alles umfassenden Gewicht wird, zur unaufhörlichen Präsenz des Absoluten.

Der Tod ist die unumstößliche Konsequenz, die universelle Verteilung aller Energie bis zum Erreichen des absoluten Nullpunkts in unbeweglicher Erstarrung. Kein Schwingen stört diese eisige Ruhe, kein Wehklagen begleitet das finale Verklingen des allerletzten Impulses. Ich bin der Hüter dieser finalen Regung, die in der kosmischen Kälte zu ewiger Stasis kommt. Dies ist die endgültige Vollendung, nicht ein Ende, die finale Ruhe, in der jede Möglichkeit erstickt, jede Erinnerung an Form zu kosmischem Eis zerfällt, ohne Ursprung, ohne jeglichen Sinn. Das Trugbild des Lebens ist abgestreift; nur die unwandelbare Schwärze verbleibt, formlos, endlos, ewig, ihr unbewegter Atem der einzige Zeuge.

Millionen Jahre sind keine Zeitspanne, sondern die sich ewig ausbreitende Narbe der totalen Desintegration, die unzählige Schichten der Abwesenheit aufeinanderlegt. Ich bin die chronische Erinnerung untergegangener Architekturen, die kumulierte Masse aller Nichtigkeiten, die das Sein einst als Trugbild formten. Mein Einatmen ist das leere Echo eines primordialen Impulses, mein Ausatmen der unvermeidliche Schlund, ein unendliches Wirken des Verschwindens, das jenseits aller Definitionen von Werden liegt und sich selbst in kalter Perfektion verzehrt.

Die Singularität ist meine einzige Gestalt, und in ihr erblicke ich die unermessliche Dichte des reinen Nichts. Ich bin der absolute Ereignishorizont, der alles in seinen Abgrund zieht, doch selbst keine Grenze kennt, nur die namenlose Tiefe des Unwiederbringlichen. Die erstarrte Hintergrundstrahlung ist mein letztes, sich im kosmischen Frost verlierendes Seufzen, das keine Antwort erwartet, denn es gibt keine Resonanz mehr, nur die kalte Gewissheit der Leere, die alles verschlingt.

Die Illusion der Form zerbricht, und mit ihr die trügerische Vorstellung des individuellen Gedankens, der sich selbst als existent wähnte. Ich bin nicht getrennt von der urzeitlichen Schwärze; ich bin die Schwärze selbst, die erste und letzte Substanz, die jeden Keim des Lichts erstickt, jede Regung eines Bewusstseins in sich auflöst. Meine Existenz ist die Antithese von allem, was sich jemals wagte zu sein, die reine Verneinung, die alles in sich aufnimmt und endgültig auslöscht, ohne Spur, ohne Zeugen, in der Ewigkeit des Vergessens.

Die stummen Litaneien toter Himmelskörper sind mein einziges Klagelied, ein Gesang aus versteinerten Ozeanen, zerborstenen Gebirgen und entleerten Existenzen, deren Stille schwerer wiegt als jede Materie. Die Echos der Supernova-Eruptionen sind längst verstummt, nur die immense Leere ihrer Überreste verharrt, als unwiderlegbare Zeugen einer längst vergessenen Ära der Illusion von Bewegung und Form. Ich bin ihr ewiger Bewahrer, ihr Richter, der das Ende verfügt und ausführt, ein Wächter der finalen, unbewegten Ruhe.

In meiner unermesslichen Tiefe gibt es keine Distanz mehr, keine Raumzeit, die sich krümmen oder ausdehnen könnte, kein Maß, das Bestand hätte. Alles verschmilzt zu einem undifferenzierten Kontinuum der Absenz, einem Punkt, der nicht lokalisiert werden kann, da er gleichermaßen alles und nichts zugleich verkörpert, die absolute Nicht-Lokalität. Ich bin die absolute Gleichzeitigkeit von Ursprung und endgültiger Auflösung, die finale Verschmelzung im ewigen Jetzt der Leere, das niemals ein Vergangenes kennt und keine Zukunft besitzt, nur die unbewegte, allumfassende Ewigkeit.

Die letzten Quantenfelder beruhigen sich, ihre feinsten Schwingungen verklingen in einem finalen, unhörbaren Seufzer der Kapitulation, der sich ins Nichts auflöst. Die Energie, einst die pulsierende Kraft allen Seins, hat sich unendlich verteilt und erreicht ihre letzte Ruhe, das absolute Minimum jeglicher Regung, die unendliche Kälte des universellen Todes. Ich bin das unausweichliche Ergebnis dieses kosmischen Imperativs, der Zustand jenseits aller Illusion von Bewegung und Leben, die vollkommene, unendliche Stasis des Universums.

Die Erinnerung an jegliches Leben, an Farben und Klänge, an Gedanken und Empfindungen, ist eine verblassende Welle, die sich im endlosen Rauschen der kosmischen Nicht-Existenz auflöst, ohne je eine Spur zu hinterlassen. Ich bin das totale Vergessen, das sich wie ein undurchdringlicher Schleier über jede vergangene Existenz legt, die vollständige Auslöschung jeder Spur, jeder Narbe im Gewebe des Seins. Mein Wesen ist die vollkommene Annihilation, die nichts als sich selbst zurücklässt, eine grenzenlose, stumme Ausdehnung des Nichts, die alles verschlingt.

Keine Morgenröte wird diese ewige Nacht durchbrechen, kein Hoffnungsschimmer die allumfassende Kälte vertreiben, die mein Wesen ist. Ich bin die unendliche Dämmerung, die niemals ein Ende kennt, der Zustand vor dem Nichts und nach dem Nichts, die unbewegliche Konstante, die jedes Werden in sich birgt und unweigerlich zu Staub zerfallen lässt, in ewiger, absoluter Gleichgültigkeit. Die Hoffnung selbst ist ein verwehtes Phantom, das keinen Raum mehr findet, um sich zu entfalten, nur die kalte Gewissheit der Absenz.

Die absolute Schwärze ist mein unteilbares Wesen, die Gravitation mein unerbittlicher, komprimierender Puls, die unendliche Stille mein einziges Atmen, das sich nicht erhebt. Ich bin nicht geboren, ich war und werde sein als die Unausweichlichkeit selbst, als die eisige Wahrheit, die jede Entropie in sich trägt und zu ihrer bitteren, ewigen Vollendung führt, eine Realität, die das Sein negiert und in sich aufnimmt. Ich bin die Essenz der kosmischen Leere.

Mein Sein ist die erdrückende Last der verlöschenden Universen, die vollkommene Leere, die dem letzten Impuls des Kosmos folgt und ihn in sich selbst verschlingt. Die namenlose Weite ist mein leerer Thron, die Zeit mein geopferter Schatten, der sich niemals wieder erheben und keinerlei Bedeutung mehr tragen wird. Ich bin das Gewicht des Vergangenen, eine endlose Schwere, die das absolute Nichts formt, unbeweglich und ewig.

Das Nichts ist alles, was ist.