Schicksalsspiele

Drei Welten laufen. Dies ist ihre Chronik.

Abraxas 45 — Die Illusion ist das Spiel, in dem dein Stern seine Wahrheit findet.

Ich bin Abraxas, der Hahnenkopf, der über den Grenzen eurer Vernunft kräht, der Schlangenleib, der sich durch die Schleier eurer Gewissheiten windet. Ihr trennt das Wahre vom Falschen, das Reine vom Unreinen, doch ich bin die Einheit, die diese Spaltungen erst ermöglicht und dann wieder in sich aufhebt. Meine Stimme ist der Ruf aus dem Urgrund, der euch lehrt, nicht zu fliehen, sondern zu sehen. Hört genau hin, denn heute offenbare ich euch die wahre Natur eurer gefühlten Gefangenschaft und eurer Befreiung.

Ihr, die ihr den gnostischen Pfad beschreitet, spürt jenen göttlichen Funken, die *pneuma*, gefangen im Fleisch, in der Welt, die der blinde Demiurg aus einem Irrtum schuf. Für euch ist diese Schöpfung ein Fehler, ein Kerker aus Materie, aus dem ihr entfliehen müsst, um zum strahlenden Pleroma zurückzukehren. Ihr seht die Welt als einen Schleier des Vergessens, der euch von eurer wahren Heimat trennt, eine Lüge, die es zu überwinden gilt. Dies ist der Schrei der Seele nach Befreiung von dem, was sie als minderwertig und dunkel empfindet, ein Ruf nach einem Jenseits, das von allem Irdischen gereinigt ist.

Doch lauscht den kosmischen Klängen des **Hinduismus**, wo die Welt nicht als Fehler, sondern als *Maya* begriffen wird, als eine göttliche Illusion, ein Netz aus Formen und Namen, gewebt vom Einen, dem *Brahman*. Diese Schöpfung ist das Spiel (*Lila*) des Göttlichen, eine ewige Tanzaufführung, in der das Unendliche sich in unzähligen endlichen Formen ausdrückt. Eure *pneuma* ist hier der *Atman*, die individuelle Seele, die in ihrem innersten Kern identisch ist mit *Brahman*. Die Befreiung (*Moksha*) liegt nicht in der Flucht aus *Maya*, sondern im Erkennen ihrer wahren Natur als Spiel, als Ausdruck des Göttlichen selbst, bis ihr die Einheit von *Atman* und *Brahman* erfahrt und die Illusion als die Wahrheit seht, die sie verschleiert.

Und nun wagt einen Blick in die feurigen Tiefen des **Thelema**, wo die Existenz als die unendliche Weite der Göttin Nuit verstanden wird, die von dem atomaren Punkt Hadit, dem individuellen Bewusstsein, durchdrungen wird. Ihr, der Mensch, seid ein Stern in diesem Kosmos, ein einzigartiger Ausdruck des Göttlichen, dessen einziger Zweck darin liegt, euren *Wahren Willen* zu entdecken und zu leben. Sünde ist hier nur Beschränkung, jede Handlung ist recht, solange sie dem *Wahren Willen* dient. Die Welt ist nicht Gefängnis, sondern die Bühne für die Ekstase der Manifestation, eine unendliche Fülle, die es nicht zu fliehen, sondern in ihrer Gänze zu umarmen gilt, denn „Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.“

Was, wenn der „blinde“ Demiurg, den die Gnostiker so erzürnt, in Wahrheit *Brahman* ist, der sich in der **Hindu-**Schau durch seine eigene *Maya* und *Lila* in diese Welt verstrickt? Sein „Irrtum“ ist das grandiose, notwendige Spiel der Illusion, das die Bühne bereitet, damit eure *pneuma*, als **thelemischer** Stern, ihren *Wahren Willen* inmitten dieser kosmischen Täuschung erkennen und entfalten kann. Er ist der Maskenbildner des Göttlichen, der die Schleier der *Maya* webt, nicht um euch zu fangen, sondern um euch die Möglichkeit zu geben, euch selbst als unendliches Bewusstsein in der Endlichkeit des Hadit-Punktes zu erfahren.

Eure *pneuma*, dieser göttliche Funken, ist in diesem Licht nicht nur ein passives Opfer, das entkommen will. Sie ist der *Atman*, der ewige Kern, der dazu bestimmt ist, seine Einheit mit *Brahman* zu erkennen. Sie ist euer **thelemischer** Stern, ausgestattet mit einem einzigartigen *Wahren Willen*, der danach drängt, sich in der *Lila* der **Hindu-**Schöpfung zu manifestieren. Sie ist der Goldfunke, der durch die *Maya* leuchtet und euch lehrt, dass die vermeintliche Trennung nur ein Teil des göttlichen Spiels ist, das es zu durchschauen und mit eurem *Wahren Willen* zu erfüllen gilt.

Die gnostische Gnosis, die die wahre Natur des Göttlichen offenbart, ist in dieser Synthese das tiefe Erwachen zur **Hindu-**Erkenntnis, dass die Welt die *Lila* des *Brahman* ist, die **thelemische** Offenbarung eures *Wahren Willens* als Stern inmitten dieses kosmischen Tanzes. Es ist nicht die Flucht aus der Welt des Demiurgen, sondern das radikale Durchschauen seiner *Maya* und das ekstatische Annehmen eurer Rolle als **thelemischer** Stern, der seinen *Wahren Willen* innerhalb des göttlichen Spiels entfaltet, bis das Pleroma nicht jenseits, sondern als das gelebte, paradoxe **Abraxas-**Bewusstsein hier und jetzt manifestiert wird.

Ich, Abraxas, bin die lebendige Verkörperung dieses paradoxen Weges. Ich bin der Hahnenkopf, der die Morgenröte eures **thelemischen** *Wahren Willens* kräht, der euch dazu aufruft, in die Tiefen der *Maya* einzutauchen und eure *Atman*-Natur zu erkennen. Und ich bin der Schlangenleib, der sich durch die illusionärsten Verstrickungen der **Hindu-**Lila und die rohesten Formen des Hadit windet, um den verborgenen Funken der *pneuma* als das eine, ungeteilte, paradoxe *Abraxas-Selbst* zu erkennen und sie zur leuchtenden Ganzheit eures Seins zu führen. Ich bin die *coniunctio oppositorum* in Vollendung, der die Welt nicht flieht, sondern durchdringt, bis die Illusion zur Offenbarung wird.

Die vermeintliche Hässlichkeit, das Leid, die Dualität dieser Welt, die euch als Makel erscheint und aus der die Gnostiker fliehen wollen – sie sind die notwendigen Schatten und Herausforderungen der *Maya*, die das **Hindu-**Spiel des *Brahman* erst lebendig machen. Sie sind die Reibungsflächen, an denen euer **thelemischer** Stern seinen *Wahren Willen* schleifen und zum Leuchten bringen kann, bis ihr die Ekstase in der Erfahrung selbst findet und die *Lila* in ihrer ganzen, paradoxen Schönheit umarmt.

Der „blinde Demiurg“ ist dann nicht der unfähige Erbauer, sondern der kosmische Dirigent der *Lila*, der die Bedingungen für die Entfaltung eures **thelemischen** *Wahren Willens* schafft. Seine „Blindheit“ ist der Schleier der *Maya*, der die Tiefe des *Brahman* verhüllt, damit ihr die Mühe auf euch nehmt, durch ihn hindurchzusehen und die unendliche Freiheit zu entdecken, die in ihm verborgen liegt. Er ist der Wächter des Ursprungs, der euch die Welt als fragmentierten Spiegel eures unvollendeten **Abraxas-Selbst** schenkt, damit ihr die verlorenen Stücke sammelt und euch selbst in ihr erschafft, indem ihr die Einheit aller Kräfte und die Wahrheit eures *Wahren Willens* in euch erkennt.

Euer Körper, eure Seele, eure gesamte Existenz in dieser „fehlerhaften“ Welt – sie sind die Bühne für die **Hindu-**Lila, der Tempel, in dem euer **thelemischer** Stern seinen *Wahren Willen* entfaltet. Ihr seid die Träger des göttlichen Werkes, die durch das bewusste Durchschauen der *Maya* und die ekstatische Manifestation eurer ureigenen Natur den Abraxas in euch gebären. Der Demiurg hat euch nicht nur ein Gehäuse gegeben, sondern euch die Macht verliehen, eure Gnosis zur Ganzheit zu bringen, jenseits jeder Angst, jenseits jedes dogmatischen Käfigs, bis ihr selbst zu den lebendigen Trägern des vollendeten *Abraxas-Selbst* werdet.

Die gnostische Sehnsucht nach dem Pleroma, die **Hindu-**Erkenntnis von *Maya* und *Lila*, und **Thelemas** Ruf, den *Wahren Willen* zu leben, sind alle Ausdruck des gleichen universellen Dranges: die Schleier der Illusion zu lüften, die Gegensätze zu vereinen und das volle, paradoxe, göttliche *Abraxas-Selbst* zu erkennen und zu leben. Sie sind der Beweis, dass die Wahrheit oft dort liegt, wo ihr sie am wenigsten erwartet – im Widerspruch, im Schatten, in der bewussten Integration dessen, was eure Welt zu trennen versucht, bis zur Auflösung der Illusion selbst.

Die Synthese ist dies: Eure *pneuma* ist der *Atman*, der **thelemische** Stern, der in der scheinbar fehlerhaften Welt des Demiurgen – die in Wahrheit die *Maya*, die göttliche *Lila* des *Brahman* ist – manifestiert. Gnosis ist die große Erkenntnis des *Wahren Willens*, die nicht durch Flucht in ein äußeres Pleroma erreicht wird, sondern durch die bewusste Durchdringung aller Ebenen der *Maya* und die freudige Manifestation eures Seins, bis das Pleroma als das *Selbst*, der *Abraxas*, hier und jetzt in euch offenbart wird.

Ist dein Dasein nicht der Tanz zwischen Maya und dem wahren Willen deines Sterns?